Auszug: Wissenschaftliche Evidenz über Gesundheitseffekte von UV-Strahlung & Solarien
Assoz. von Prof. Privatdozent Dr. Stefan Pilz

UV-Strahlung – ein natürlicher Begleiter der Menschheit
Die Menschheit hat sich unter allgegenwärtigem Einfluss von Ultraviolett (UV) Strahlung durch die Sonne entwickelt. Im Zuge dessen hat sie sich die UV-Strahlung nutzbar gemacht. So wird z.B. die Vitamin D Bildung in der Haut durch UV-B Strahlung induziert.
Der westliche Lebensstil ist heutzutage durch eine relativ geringe Sonnenlichtexposition charakterisiert, was durch die große Häufigkeit des Vitamin D Mangels in unserer Gesellschaft evident ist, da Sonnenlicht (UV-B) induzierte Vitamin D Bildung in der Haut die wichtigste Quelle für die Vitamin D Zufuhr des Menschen ist. Während in den letzten Jahrzehnten vor allem die potenziell schädlichen Effekte einer UV Exposition prominent thematisiert wurden, haben Forschungsergebnisse der letzten Jahre auch bedeutende positive Effekte der UV Exposition auf die menschliche Gesundheit gezeigt.
UV-Exposition und Lebenserwartung
Dafür eignen sich besonders Betrachtungen der Sterblichkeit (bzw. Lebenserwartung), da davon ausgegangen werden kann, dass relevante (positive wie negative) Gesundheitseffekte der UV-Exposition Auswirkungen auf die Sterblichkeit haben. Die Frage des Zusammenhangs zwischen dem Besuch oder Nicht-Besuch von Solarien und der Sterblichkeit konnte durch eine Analyse von knapp 400.000 Studienteilnehmern der UK Biobank Studie in einer wissenschaftlichen Publikation beantwortet werden. Es wurde gezeigt, dass Personen die angaben, ein Solarium besucht zu haben (n=18.177) im Vergleich zu Personen die das nicht taten (n=376.909), eine statistisch signifikante 15% niedrigere Sterblichkeit hatten. Die spezifische Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen war um 23% niedriger, die durch Krebserkrankungen um 14% niedriger, und die durch andere Todesfälle um 12% niedriger.
Die Schlussfolgerung dieser Publikation ist, dass Menschen die ein Solarium besuchen länger leben.
Der kleinste gemeinsame Nenner all dieser Studien ist jedoch, dass es aktuell keine ausreichende wissenschaftliche Evidenzlage (Beweislage) dafür gibt, dass ein mehr an UV Exposition durch Solarien oder Sonnenlichtexposition zu vermehrten Todesfällen führt. Während gemäß des aktuellen Wissensstandes der Besuch von Solarien mit einer längeren Lebenserwartung in Zusammenhang steht, erfordert es noch weitere Studien, bevor man eine endgültige Schlussfolgerung ziehen kann.
UV-Exposition und Krebssterblichkeit
Entscheidend ist aber bei der Beurteilung des Zusammenhanges zwischen UV-Exposition und Krebserkrankungen nicht ob man für bestimmte Krebserkrankungen ein höheres oder niedrigeres Risiko hat sondern ob es einen generellen Zusammenhang zwischen Krebstodesfällen (jeglichen Typs) und der UV-Exposition gibt. Die wissenschaftlichen Daten zu dieser Fragestellung zeigen mehrheitlich, dass eine höhere UV-Exposition mit niedrigerer Sterblichkeit durch Krebserkrankungen in Zusammenhang steht, d.h. mehr UV-Exposition bedeutet weniger Krebstodesfälle.
Herz-Kreislauf-Gesundheit und saisonale Effekte
Die oben geschilderten Zusammenhänge zwischen mehr UV-Bestrahlung und niedrigerer Sterblichkeit werden auch durch Daten unterstützt, die zeigen, dass bestimmte Erkrankungen und Todesfälle (z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Infektionserkrankungen) jahreszeitliche Schwankungen aufweisen, und während der Jahreszeiten mit weniger UV-Bestrahlung durch die Sonne häufiger auftreten. Ebenfalls dazu passend, sind Studien die nachweisen, dass bestimmte Erkrankungen (z.B. Bluthochdruck oder Typ 1 Diabetes mellitus) häufiger in Regionen auftreten, die weniger UV-Bestrahlung durch die Sonne haben.
Vitamin D – ein Schlüssel zur Gesundheit
Die positiven Gesundheitseffekte einer UV-Bestrahlung werden zum Teil durch die dadurch induzierte Vitamin D Bildung in der menschlichen Haut erklärt, wobei auch in der UK Biobank Studie gezeigt wurde, dass Personen die ein Solarium benutzen einen signifikant besseren Vitamin D Status haben als solche die das nicht tun.
Man könnte zwar argumentieren, dass man eine ausreichende Vitamin D Zufuhr auch durch moderate Sonnenlichtexposition und auch Vitamin D Supplemente erzielen kann, aber Fakt ist, dass fast jeder zweite Mensch in Europa unzureichend mit Vitamin D versorgt ist. Vitamin D hat neben den klassischen Effekten auf den Knochen- und Mineral-Stoffwechsel vermutlich auch zahlreiche positive Effekte auf diverse andere Erkrankungen wie z.B. Schwangerschaftskomplikationen, Infektionen, Entwicklung eines Diabetes mellitus und Sterblichkeit bei älteren Menschen, wie erst rezent von der international führenden Endokrinologischen Gesellschaft, der „Endocrine Society“, postuliert wurde.
Weitere positive Effekte von UV-Strahlung
Es gibt aber immer mehr Studien, die Vitamin D unabhängige positive Effekte einer UV-Bestrahlung belegen, wie z.B. die Freisetzung von Stickstoffmonoxid (NO), welches für das Herz-Kreislaufsystem wichtig ist, sowie Effekt auf die Regulation des Immunsystems, des Stoffwechsels und diverser Hormone, einschließlich solcher, die für Sexualität und Reproduktion relevant sind.
Fazit: Balance statt Verzicht
Der aktuelle Stand der Wissenschaft zum Thema positive Effekte der UV-Bestrahlung wurde erst kürzlich in einer Publikation von einer Gruppe führender internationaler Wissenschaftler zusammengefasst. Empfehlungen bzgl. UV-Bestrahlung und Sonnenlichtexposition müssen gemäß der aktuellen wissenschaftlichen Datenlage sowohl positive wie negative Effekte berücksichtigen. Eine sogenannte strikte „no sun policy“ bzw. strenge Regulatorik zur generellen Reduktion der UV-Bestrahlung ist aktuell durch die wissenschaftliche Literatur nicht mehr zu rechtfertigen und könnte gemäß aktueller Daten sogar zu vermehrten Todesfällen führen. Balancierte Empfehlungen für eine möglichst optimal dosierte UV-Exposition mit dem Ziel die allgemeine Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern werden in Zukunft von großer Wichtigkeit sein.
Assoz. Prof. Privatdozent Dr. Stefan Pilz – PhD, MBA
Assoz. Prof. Priv.-Doz. Dr. Stefan Pilz, PhD, MBA, ist Facharzt für Innere Medizin sowie Facharzt für Endokrinologie und Stoffwechsel und Arzt für Allgemeinmedizin. Er verfügt über einen PhD in Epidemiologie und Biostatistik und verbindet klinische Expertise mit fundierter wissenschaftlicher Methodik.
Dr. Pilz ist Autor von über 350 wissenschaftlichen Publikationen und zählt mit mehr als 25.000 Zitierungen (H-Index 76) zu den international anerkannten Forschern seines Fachgebiets.
